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Die Schönbeck-Mühle

Die Geschichte bis zum Tod des letzten Müllers

erzählt von Dipl.Ing. Robert Trnka

Aus den im k.u.k. Hofkammerarchiv und im NÖ Landesarchiv eingesehen Buchdokumenten geht einigermaßen gesichert hervor, daß eine der im Jahre 1555 genannten Mühlen "mit 2 Gäng, behauste Mühl" mit der heutigen Schönbeckmühle identisch ist und nennt deren Besitzer Stelzhammer Leonhart, danach einen Grießler Andreas.

Im späteren Mühlenbuch von 1661 sind interessanterweise zwei verschiedene Mühlen angeführt, die Grießler-Anzbach-Mühle und die Stelzhammer-Schönmühle, offenbar zwei verschiedene Objekte in Anzbach, vielleicht von Nachfahren der ersteren.

Im Heft 4 vom Juli 1951 seiner heimatkundlichen Schriftenreihe hat Dr.Anton Öllerer Details aus der Türkeninvasion des Jahres 1683 zusammengestellt. Anzbach betreffend ist auf den Seiten 3 und 4 zu lesen, daß die Türken zwei herrschaftliche Mühlen und das Bräuhaus (bei der Wasenburg) niederbrannten und auch die Kirche mittels der in Altarnähe aufbewahrten Fackel vergeblich in Brand zu setzen versuchten.

In der Schönbeckmühle sind hingegen während der Restaurierungsarbeiten keine Brandspuren als solche erkannt worden; überdies hätte ein Brand in der Mühle unweigerlich auf den angrenzenden Stall und auf das Wohnhaus übergegriffen und über Nachbarobjekte den ganzen Ortskern bedroht. Keine Darstellung aus jener Zeit oder danach nimmt aber auf einen derartigen Unglücksfall Bezug. Es dürften als "abgebrannte herrschaftliche Mühlen" demnach andere als die Schönbeckmühle in Frage kommen.

Aus weiteren Dokumenten, die zunehmend genauere Angaben enthalten, wie zum Beispiel die Hausnummer 28 und das Jahr eines Besitzwechsels, sind die folgenden Namen entnommen: 1746 Ölschütz Johann, 1757 Reichenbacher Johann Michael, 1777 Reichenbacher Michael, 1790 Steiner Mathias.

Ab 1811 nennen die Urkunden Kellner Franz sen. und seinen 1846 Sohn Franz jun. als Besitzer, dieser letztere ist aber zunehmend verschuldet, und zwar letztlich mit 1670 Gulden, gelöscht am 30.10.1866. Er hatte nämlich die Mühle samt zugehöriger Wirtschaft um 6350 Gulden an einen finanzkräftigen Wiener verkaufen können. Aber der Käufer war Goldsticker und Hausbesitzer in Wien-Neubau, Bernardgasse 6. Sein Beruf stand im Widerspruch zum Kaufobjekt, weshalb man mit Sicherheit annehmen darf, daß er, der Goldsticker Leopold Schönbeck, später von Nachkommen der "blinde Onkel" genannt (wahrscheinlich wegen einer berufsbedingten Sehschwäche) seinen Neffen Karl Schönbeck das Mühlengewerbe betreiben ließ, denn dieser war Müllermeister.

Karl Schönbeck (1834-1916) hat mit seiner ersten Gattin Theresia (1843-1931) fünf Kinder. Unter Ihnen ist Theresia jun., sie heiratet in die Familie Sitte ein, die Inhaber der Marhofmühle (Meierhofmühle) ist, nicht ganz einen Kilometer den Anzbach aufwärts. Deren Sohn ist der beliebte Rudolf Sitte (1902-1983), ein mehrmals ausgezeichneter Feuerwehrkommandant in Anzbach.

Aus der Ehe des Karl Schönbeck mit seiner zweiten Gattin gehen Josef Schönbeck (1879-1946), Müllermeister, und Ludwig Sch. (1880-1938), Bäckermeister hervor. Karl erbt die Mühle 1894 im 61.Lebensjahr, er übergibt sie 1907 an seinen in der Müllerei ausgebildeten Sohn Josef, der bereits glücklicher Gatte der Theresia, geborene Ecker ist, die im September dieses Jahres ihr viertes Kind erwartet.

Nach allem, was aus Gesprächen mit der jüngsten Tochter des Josef, aus eruierten Daten und aus Feststellungen im Zuge der Restaurierung entnommen werden konnte, gewinnt dieser das Profil eines tatkräftigen, erneuerungswilligen und umsichtigen Menschen. Kurz nach der Hofübergabe beantragt er bei der Gemeinde die baubehördliche Bewilligung für die Ziegeldeckung des Daches, anstelle der bisherigen Dachschindeln. Photographien und Ansichtskarten aus der Zeit vorher zeigen ein einheitliches Schindeldach über den zusammenhängenden Gebäudekomplex. Ansichtskarten danach geben den heute noch sichtbaren Bauzustand wieder, der eine mehrfach unterteilte Dachfläche aufweist. Offensichtlich sah sich Josef veranlaßt, entsprechend den feuerpolizeilichen Vorschriften, die Feuermauern knapp ein Viertelmeter über das Dachziegelniveau hochzuführen, sodaß eine einigermaßen scharfe Trennung zwischen Mühlentrakt, dem zunächst noch bestehenden Heuboden sowie zum angrenzenden Wohn- und Bäckereitrakt zustande kommt.

Die damals modern gewordenen Müllereimaschinen, wie Walzenstuhl (im Erdgeschoß), Schälmaschine und Trieur (stehen im Obergeschoß) sind mit großer Wahrscheinlichkeit gleich danach angeschafft worden. Es gibt auch einen einleuchtenden Grund dafür: Wenn man bedenkt, daß mit der Erfindung des Walzenstuhles in der ersten Hälfte des 19.Jhdt und seiner Verbesserungen bis zur Jahrhundertwende die Leistungsfähigkeit einer Mühle auf das etwa 70-fache gegenüber einer mit Steinen ausmahlenden Mühle gesteigert werden konnte, daß die Schälmaschine die fast hundertprozentige Freilegung des Mehlkörpers der auszumahlenden Getreidekörner und der Trieur das Auslesen der gefürchteten Wickensamen zuwege brachten und deshalb unter den vielen Mühlen ein immer schwerer werdenden Konkurrenzkampf eingesetzt hatte, so läßt sich verstehen, daß der dynamische Josef in der raschen Anschaffung der genannten Geräte eine Chance wahrnehmen wollte, noch einigermaßen mitzuhalten.

Der Schilderung der weiteren Ereignisse vorgreifend sei erwähnt, daß der Konkurrenzkampf der Mühlen bis zum Jahre 1960 derart drückend wurde, daß viele der kleineren Mühlen schon lange vorher konkursreif ausschieden. Dennoch hat Josef noch im Jahre 1938 versucht, durch Einbau einer mit dem Wasser des Mühlbaches betriebenen Turbine, den bis dahin, vor allem im Winter, unregelmäßigen und unzuverlässigen Mühlradantrieb zu verbessern. Obwohl er dabei seine finanzielle Kraft überspannte, dürfte er darin noch eine Möglichkeit gesehen haben, das drohende Ende der Mühle hinauszuschieben.

Während des Krieges, so berichten Zeitzeugen, sei denn auch nur mehr selten Brotgetreide zu Mehl vermahlen worden, weit mehr ist Futterschrot erzeugt worden.

Endlich, lange nach dem Tod Josefs, im Jahre 1960 wurde von der Regierung das Mühlengesetz beschlossen. Es beendete den elend gewordenen Konkurrenzkampf der Mühlen untereinander durch Einführung des Mühlenkartelles, durch Prämien für die Stillegung der unrentablen Betriebe und teilweise Schuldenübernahme derselben. Es ist bekannt, daß so mancher Müller dabei einen Berg von Sorgen mit einem Schlag los wurde. Die großen Mühlen wurden allerdings noch wirtschaftsmächtiger, erhielten Einzugsgebiete zugewiesen und statteten sich Zug um Zug mit den jeweils modernsten, heute automatisch gesteuerten Maschinen aus.

Josef Schönbeck war zunächst noch nicht so weit. Wir kehren in das Jahr 1919 zurück. In diesem Jahr kommt endlich Bewegung in das Projekt einer öffentlichen elektrischen Überlandleitung, an der sich auch die Gemeinde Anzbach beteiligt. Immerhin hat es 42 Jahre gedauert, bis die von Edison 1882 für die erstmalige Beleuchtung eines Teils von New York geplante Stromversorgung aus Elektrizitätswerken auch Anzbach erreichte. Ehe es aber dazu kam, war Josef schon am Ball. Er hatte sich einen Dynamo besorgt, ihn vom Mühlrad mit Kraftübersetzungen antreiben lassen und nicht nur die Mühle selbst sondern auch die Kirche und andere Häuser im Ort mit Lichtstrom beliefert. Beim Installieren von Leitungen an Hauswänden ist er von Zeitzeugen beobachtet worden. Vom Licht aus der Mühle ist schon im Heimatbuch von Maria Anzbach (1983) auf Seite 53/54 berichtet worden. Das hindert natürlich die NEWAG nicht, die Elektroinstallation im Ort weiter zu betreiben und sie im Jahre 1924 weitgehend abzuschließen (Heimatbuch S 69/70).

Der Müller ist noch lange nicht mit Erneuerungen und Anpassungen zu Ende. 1925 wird das neue Stallgebäude fertiggestellt; in ihm befand sich die Werkstatt des Bauhofes. Michael Glatzmeier, seines Zeichens Stadtmaurermeister in Wien 16.,Speckbachergasse 2, war daran zumindest mit seinem Namen beteiligt.

Aus einem Steuerformular vom 28.März 1929 geht der landwirtschaftliche Grundbesitz hervor, der Schönbeck Josef sen. gehörte: 9 Joch Wiesen und Acker, 3 Joch gepachtet, Pachtzins Schilling 200.--. Einkommen aus der Landwirtschaft null. Gesamtes steuerpflichtiges Einkommen im Jahre 1928 nicht über S 4.200.--. Weiters heißt es in Handschrift: Habe eine kleine, alte Mühle, welche im Winter zumeist vereist, im Sommer des öfteren wenig Wasser ist. Es werden ca. 30 Laib Brot gebacken.

Das Brotbacken (Schwarzbäckerei) gehörte offensichtlich zur Müllerei dazu. Damit sich der Leser ein Bild der Preise machen kann, sei aus einer Rechnung des Kaufmannes Karl Reis (Anzbach a.d.Westbahn, Telefon Nr.7 - am Ort des heutigen Postamtes) für Josef Schönbeck, Müllermeister zitiert. Rechnung vom 15.10.1931: Gesamtsumme S 245.94, einige Posten: 50 kg Zement S 5.10, 50 kg Kohle S 4.25, 1/4 kg Kaffee S 2.60, 1 kg Reis -.72 g.

Eine Zeitschrift für den "Fortschrittlichen Landwirt" vom Oktober 32 gibt Großmarktpreise an: Kaffee 3.40 bis 6.--/kg, Weizen 32.50 bis 34.50/100 kg, Juliperle-Kartoffel 11.50 bis 12.50/100 kg, Weizenmehl 68.-- bis 69.--/100 kg.

Josef läßt den ehemaligen Rinderstall neben der Mühle zu einer Zimmer-Küche-Wohnung umbauen, in welcher noch im Jahre 1996, nach Adaptierungen, die Gemeindearbeiter unter anderem ihr Mittagessen einnahmen. Gleich danach beginnt der Müller den ehemaligen Heuboden darüber zu einer Mansardenwohnung mit 2 Zimmern, Kabinett und Küche auszubauen, in der ab 1929 Sommergäste einmieten können.

Im Oktober desselben Jahres wird das Verkaufslokal zur Bäckerei des Sohnes Josef Schönbeck jun., eingerichtet, der nun Meister ist und seine Hedwig heiratet. Ein Wohnraum an der Schmiedgasse wird dazu umgebaut und ein Eingang von der Straße her eröffnet. Wie gut, daß ein Nachbar der Schönbecks Stadtmaurermeister, Schätzmeister, Bausachverständiger und Holzhändler zugleich ist. Es ist der, manchen der älteren Ortsbewohner vielleicht noch bekannte Ferdinand Lirsch. Es zeichnet nicht nur einen Umbauplan für ein Haus in der Fichtengasse, dem jungen Gatten gehörig, sondern ist auch mit der Errichtung der Wagnerwerkstatt im Eckraum an der Heitzingerbrücke in Verbindung zu bringen. In dieser Werkstatt ist zunächst, ab August 1931 der Wagnermeister Öllerer tätig, der mit dem Schmied Hießberger und seinem Gesellen Flöck Lambert hervorragend zusammenarbeitet. Danach ist dort der Elektriker Scheibenreif tätig. Kurze Zeit später breitet sich in dem Eckraum auch eine Volksbibliothek aus.

Von 1957 an übt dort der Spenglermeister Josef Rest sein Gewerbe aus. Er hatte 1930 die Meisterprüfung bestanden und sich ab 1937 selbständig gemacht. 1968 beendet der Tod seine Berufslaufbahn in seiner letzten Werkstatt im sog. Hieret-Haus, Nr: 35 an der Hauptstraße. Johann Kühböck erinnert sich am letzten Tag (31.8.1989) seiner eigenen aktiven Tätigkeit als Spenglermeister in eben denselben Räumen, wie er 1959 beim Meister Rest angefangen hat, unten an der Heitzingerbrücke, mitgearbeitet hat bei der Entfernung einer Zwischenwand zwecks Vergrößerung des Arbeitsraumes und beim Einziehen von Eisenträgern in der Decke. Ab 1975 zieht er als Spengler in das Lokal seines Lehrmeisters.

Zurück in das Jahr 1933. Die Unregelmäßigkeit des Mühlradantriebes, besonders im Winter, ist eine uralte Erfahrung, nicht anders als der unstete Wind. Auch Zeitzeugen ist in Erinnerung, wie sehr das elektrische Licht der Kirchenbeleuchtung die mühsamen Drehungen des im Winter vereisten Mühlrades, oder der manchmal zu geringen Wassermenge im Anzbach widerspiegelte, solange, bis der Strom dem öffentlichen Netzt entnommen werden konnte. Eine Zählerreparaturrechnung aus dem Jahre 1933 für einen 5-Ampere-Zähler beweist, daß auch die Schönbecks die Gleichmäßigkeit der neuen Errungenschaft in ihren Wohnräumen dem selbsterzeugten Strom vorzogen. Darüber hinaus durfte Josef auch seinen Betrieb nicht mehr gänzlich von den Zufälligkeiten desselben eingeschränkt werden lassen, er benötigte den NEWAG-Strom auch für seinen Betrieb. Den Hinweis darauf liefert ein zweiter Betonsockel neben dem Sockel für den Generator. Ab wann ein Motor verwendet wurde ist nicht bekannt, auch nicht, ob er nur im Notfall eingesetzt wurde.

Je mehr man sich mit Josefs Leben befaßt, umsomehr bewundet man seine Energie, mit der er sich gegen die Widrigkeiten des Berufslebens stellte. Noch dazu war er im Dezember 1917 zum Witwer geworden. Er ließ sich nicht unterkriegen und heiratete zwei Jahre später wieder.

Die Lebensdauer eines Mühlrades ist relativ kurz, sie dürfte bei dreißig Jahren liegen, abhängig von der Qualität des verwendeten Holzes, vom Mühlwasser und von der Witterung. Das das vorhandene Rad nicht mehr lange seinen Dienst zu versehen versprach, geht daraus hervor, daß sich Zeitzeugen nur mehr in den ersten Kriegsjahren an das Vorhandensein des - bereits zur Attrappe gewordenen - Mühlrades erinnern können. Lange davor, etwa 1935 muß sich also der Müller Gedanken darüber gemacht haben, ob ein neues Rad oder eine der vielfach verwendeten, leistungsfähigeren und weniger anfälligeren Turbinen, das alte Rad ersetzen soll. Trotz der geringen Einkünfte aus der Müllerei, betrieb Josef um das Jahr 1936 die Anschaffung einer vermutlich übertragenen Turbine und deren schwierigen Einbau im Hause. Etwa ab diesem Zeitpunkt bis zum Jahr 1939 sind Verzögerungen beim Begleichen von Rechnungen nachweisbar, keine großen Ausstände. Offensichtlich gewähren ihm Geschäftsleute der näheren Umgebung gerne Zahlungserleichterungen oder einen Nachlaß. Um diese Zeit herrschte allgemein nicht gerade eine Hochkonjunktur. Das der Müller sich dennoch zu diesem schweren Schritt entschloß, zeigt den beeindruckenden Leistungswillen dieses Mannes, der sich damit wohl ein letztes mal gegen das allgemeine Mühlensterben aufbäumt.

Der Umbau machte es nämlich nötig, die Hausmauer an der Ecke zum Mühlwasser so völlig zu öffnen, daß ein Betonrohr mit einem Durchmesser um die 40 cm bis knapp zum Niveau des Anzbaches, innerhalb des Hauses gleichsam 5 Meter schräg in den "Keller" hinunter geführt werden konnte. Es sind nicht alle Einzelheiten dieses gewaltigen baulichen Eingriffes hier zu schildern, daß dieser aber eine starke Erschütterung des Mauerwerkes herbeiführte, läßt sich heute noch an Mauerrissen erkennen.

Vom Jahre 1937 an bis 1940 führt der Sohn "Pepperl" die Bäckerei im Haus Nr.2 (heute Bäckerei Rothwangl), danach Hubert Boschmeier und Weigl. Pepperl übersiedelt nach dem Tod des Josef Kollowein in dessen Haus und Bäckerei in Unter Oberndorf.

Mit den politischen Veränderungen des Jahres 1938 wird auch das Leben des Josef Schönbeck schwieriger. Sind ihm bisher verschiedene Kaufleute, darunter der Jude Ignaz Holub in Neulengbach, bekannt als freundlich und konziliant, geschäftlich entgegen gekommen, wird ihm nach der Arisierung des Geschäftes wegen eines Zahlungsrückstandes von Reichsmark 541.03 eine Frist von 10 Tagen gestellt, mit der Begründung: "Da es sich nunmehr um einen arischen Betrieb handelt, der zum Aufbau im neuen Geíst dringend Geld benötigt." Kurz darauf erhält er einen in miltärisch brutalem Ton gehaltenen Zahlungsbefehl des neuen, arischen Geschäftsinhabers, gezeichnet mit deutschem Gruß, Karl Hannak.

Offensichtlich waren die Reichsdeutschen Gewerbebehörden bestrebt, die "Ostmark-Wirtschaft" rasch in den Griff zu bekommen, denn es wurde von ihnen bereits anfang Mai 38 eine kommissionelle Erhebung der Mahlmühle des Betriebsinhabers Josef Schönbeck sen. angeordnet und am 13.Mai desselben Jahres durchgeführt. Das Protokoll dieser Erhebung enthält nun einige recht interessante Details. Vorweg eine Bestandsaufnahme der Maschinen: 1 Trieur (Fremdsamenentferner), 1 Deutscher Stein (meist als Kunst-Mahlstein ausgeführt und vorwiegend zum Ausmahlen von Futterschrot verwendet), 1 Französischer Stein ( die besten so bezeichneten Mahlsteine bestanden aus härtestem französischen Naturquarz, ein solcher ist aber in der Mühle nicht mehr gefunden worden), 1 Walzenstuhl (Stahl-Riffelwalzen zermahlen die geschälten Getreidekörner), 1 Schrotzylinder (drehbarer Drahtsiebkorb) 1 Mehrzylinder (drehbarer Seidengewebekorb), 3 Becherwerke (Materialaufzüge = kleine Becher aufgereiht auf Gewebeband zur Beförderung der Körner und des Mahlhutes), 1 Turbine 2 - 4 PS.

Weiters heißt es in dem Protokoll, es müsse der Betriebsinhaber den (offenbar gerade fertiggestellten) Turbineneinbau durch Nachreichung des Einbauplanes wasserrechtlich genehmigen lassen, was schließlich im Dezember 38 auch erfolgt ist.

Ferner wird im Protokoll festgestellt, daß die Beleuchtung der Betriebsräume durch eine Dynamomaschine (220 Volt, 10 Ampere) innerhalb eines gemauerten Raumes (mit Ziegeln gemauerte Kabine um den Generatorsockel herum, als Schutzmaßnahme) erfolgt und daß für die Beleuchtungskörper ein Glasschutz zu besorgen ist.

Die neue Gewerbebehörde gab sich aber mit den Erhebungen in der Mühle nicht zufrieden. Auch die Bäckerei im gleichen Haus und die Bäckerei des Ludwig Schönbeck im Haus Nr:2 mußten eine Kommissionierung am gleichen Tage über sich ergehen lassen.

Der Kriegsbeginn brachte einschneidende Veränderungen. Die dem Müller Schönbeck gehörigen beiden Pferde wurden von der Wehrmacht beansprucht und von dem damaligen Müllerlehrling Knabl Heinrich zum Sammelplatz weggeführt. Im Sommer 1941 wurde durch Hochwasser das Wehr zerstört und der Mühlbach vermurt. Josef erhielt die behördliche Aufforderung zur Erneuerung des in der Nähe des Klosters Meierhöfen gelegenen Wehres und zur Erhöhung des Dammes am Mühlbach um 30 Zentimeter. Daß die Behörden diese Maßnahme setzte, läßt den Schluß zu, daß sich Josef sen. nicht rasch genug dazu entschließen konnte, aber sie mußte bedacht darauf sein, auch kleinere Mühlen für die kriegsnotwendige Nahversorgung der Bevölkerung in betriebsfähigen Zustand zu erhalten. Dem Inhaber Schönbeck hingegen mußte daran gelegen sein, wegen seines geringen Einkommens aus Landwirtschaft und Futterschrotung etwaige Reparaturkosten möglichst niedrig zu halten, beziehungsweise selbst Hand anzulegen. Er war nicht mehr der Jüngste, bereits über 60, die kräftigen, jüngeren Arbeiter waren beim Militär. Seine Kräfte erschöpften sich und er hat den Krieg nur knapp mehr als ein Jahr überlebt. Im Dezember 1946 geht sein arbeitsreiches Leben zu Ende.

Auch die weitere Verwendung der Mühle zur Herstellung von Futterschrot war nur mehr rund fünf weitere Jahre möglich, denn im Mai 1951 riß ein Hochwasser neuerlich das Wehr und dabei auch die Badeanlage des Klosters Meierhöfen weg, dessen Reste endlich 1953 auf Betreiben der Gemeinde beseitigt wurden.

Es stand nicht mehr dafür, das Wehr zu erneuern und den vermurten Mühlbach zu räumen. Die Mühle blieb stehen, als hätte sie mitten im Betrieb der Schlag getroffen und viele Generationen von Ratten ernährten sich danach ungestört von den Getreide- beziehungsweise von den Mehlresten, die in den Maschinen zurückgeblieben waren. In der Schälmaschine wurde 1987 ein Wespennest mit einem Durchmesser von 25. Zentimetern freigelegt und nicht weit davon der eingetrocknete Kadaver eines Marders gefunden. Bezeichnend für das Ende einer Epoche, eines Handwerkes und seine Auflösung durch industrielle Verfahrensweisen.

 


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09-Jun-2003 16:06